Warum braucht die Livemusik in Deutschland einen eigenen Fonds?

Der Konzertmarkt funktioniert nicht mehr als Kreislauf.
Obwohl der Gesamtumsatz in der Branche sogar steigt, bleibt an der Basis nichts mehr hängen.

Die Ursachen:

  • Explodierende Kosten für Energie, Personal, Gagen, Logistik.
  • Publikum, das sein Geld auf wenige Mega-Events konzentriert.
  • Monopolstrukturen bei Tickets und Tourproduktionen.
  • Und eine Branche, die zu lange geglaubt hat, der Markt regelt das schon.

Doch der Markt regelt gar nichts – er sortiert aus. Damit ist der Circle of Live gefährdet.
Und das bedeutet: weniger Vielfalt, weniger Orte für Nachwuchs, weniger Zukunft.

Ohne eine solidarische Struktur droht Vielfalt zur Ausnahme zu werden – und damit verschwindet die Basis, auf der jede große Karriere einmal gebaut wurde. 

Wer steckt hinter dem Live Music Fund?

Der Live Music Fund Germany (LMF) wird getragen von der Bundesstiftung LiveKultur, einer gemeinnützigen Stiftung mit Beirat aus Branche, Politik und Kultur. Initiiert wurde er von Praktiker:innen der Szene – für alle Teile der Szene. Der LMF startet am 1. Januar 2026. Er zählt zu den ambitioniertesten Branchen-Vorhaben der jüngeren deutschen Livemusiklandschaft, wenn es um strukturelle Stabilisierung und Nachwuchsförderung an der Basis geht. Das Prinzip orientiert sich an den Mechanismen, die der Music Venue Trust (MVT, https://www.musicvenuetrust.com/ ) in Großbritannien mit dem Liveline Fund etabliert hat. Hier stand man 2024 an einem ähnlichen Punkt: Mehr als 150 Festivals waren weg, unzählige Clubs geschlossen. Dann kam eine mutige Idee: Wenn die Superstars von den kleinen Bühnen kommen – warum sollten sie nicht auch etwas zurückgeben? Die Regierung unterstützte das Konzept eines freiwilligen Ticket-Levy, eine kleine Abgabe auf große Shows, deren Erlöse in einen Fonds fließen – für Grassroots Venues, für Nachwuchs, für die Zukunft. Coldplay, Sam Fender, Katy Perry, Ed Sheeran – sie alle machten mit. Und plötzlich wurde aus einer Krise eine Bewegung: „From crisis to community.“

Was fördert der Live Music Fund?

Die drei Fördersäulen zu Beginn des LMF werden sein:

  • Clubförderung – zur Stärkung kleiner und unabhängiger Spielstätten
  • Ersttourneeförderung von Newcomer:innen
  • (Lokale) Projekte & Perspektiven – für Inklusion, Nachhaltigkeit, Ausbildung & Sichtbarkeit
Wie funktioniert die Finanzierung?

In der ersten Phase (ab 1. Januar 2026) durch freiwillige Spenden beim Ticketkauf über die Anbieter:innen, die sich am Live Music Fund beteiligen

  • Stager
  • deinetickets.de
  • ticket i/O GmbH
  • Reservix
  • XCEED
  • Rausgegangen
  • München Ticket GmbH

Hier können sich Ticketkäufer:innen beim Ticketkauf für einen freiwillige Spende in der Höhe ihrer Wahl entscheiden. Diese Spenden gehen 1:1 an den Fund.

In der 2. Phase wird der LMF ergänzt durch ein so genanntes 1 € Ticket-Override – den Live Euro bei Clubkonzerten, Open Airs und Festivals nach GEMA Tarik U-K. Diese Euro ist dann im Ticketpreis automatisch inkludiert.

In der 3. Phase sollen Mikroabgaben von Profiteuren der Branche, Streamingdiensten und Partnern durch ausgewählte Projekte an den Fund gehen.

Wie kann ich den Live Music Fund aktuell unterstützen?

Primär richtet sich das Modell an Ticketanbieter:innen, Veranstalter:innen und Künstler:innen mit Eintrittspreisen ab 35 Euro

Sie profitieren direkt vom Erfolg des Live-Markts und sollen deshalb durch die Mikroabgaben helfen, den Erhalt der Infrastruktur und kulturellen Vielfalt an der Basis mitzutragen. 

Bei den teilnehmenden Ticketingunternehmen ist ab 1. Januar das Aktivieren der Spendenfunktion möglich.

Später stellen die Veranstalter dann den Live-Euro beim Kauf eines Tickets ab 35 Euro (inkl. Gebühren) ein.

Veranstalter:innen den Live Music Fund ab 1. Januar unterstüzen wollen, wenden sich bitte an kontakt@livemusicfund.de Wir nehmen anschließend Kontakt mit euch auf, klären offene Fragen und stellen euch als Unterstützer:in des Fund gerne auf Social Media und mit Logo auf der Website vor.

Das Logo des LMF ist entweder direkt in das Ticket-System eingebunden oder hier zum Download verfügbar. Bestückt als Unterstützer:in gerne eure Tickets damit.

Eine frühzeitige Beteiligung und auch eine freiwllige aktivierung des Live Euro bei Veranstaltungen unter 35 Euro sichert euch frühzeitige Einbindung in Förderstrukturen und einen Platz am Verhandlungstisch.

Die Konzertbesucher:innen selbst können anschließend freiwillig beim Ticketkauf spenden und der Live Music Fund wächst.

Auch direkte Spenden sind möglich: https://livemusicfund.de/spenden/

Spendenbescheinigung: Bis zu einer Spendensumme von 200 € genügt ein vereinfachter Nachweis. Das kann zum Beispiel ein Kontoauszug sein. Solltet ihr bei einer Spendensumme ab 200 € eine Spendenbescheinigung wünschen, gebt bitte als Verwendungszweck eure Adresse an.

Wie werden die Mittel verteilt?

Über die Verteilung der Mittel über Förderkonzepte aus dem Live Music Fund entscheiden Beiräte. Diese werden mit regionalen Expert:innen aus Clubs, Booking, Festivals, regionalen Verbänden und Szenestrukturen besetzt.

Die 50-%-Regionalquote ist dabei ein Kernmerkmal für Deutschland. Mindestens 50 % der eingezahlten Mittel im LMF fließen verpflichtend in jene Region zurück, in der sie generiert wurden.

Praktisch bedeutet das:

  • lokale Wirkung statt zentraler Umverteilung
  • Regionen mit bestehenden Strukturen können diese stabilisieren
  • Regionen ohne Förderlandschaft bekommen erstmals Zugang (d.h. ländliche Räume oder Clubs ohne Verbands- oder Netzwerkeinbindung profitieren besonders

 

Warum ist das wichtig?
Lokale Akteur:innen wissen am besten,

  • welche Clubs in ihrem Netzwerk akut Unterstützung brauchen,
  • wo Nachwuchs fehlt,
  • welche Tourneen wackeln,
  • und wie ihre lokale Szenen funktionieren.

Die Quote stellt sicher, dass Mittel nicht zentral versickern, sondern vor Ort sichtbar wirken.

Warum ist der Live Music Fund gerade jetzt relevant?

Wenn wir als Branche jetzt nicht geschlossen handeln, drohen staatliche Eingriffe – etwa in Form verpflichtender Abgaben oder Steuern. Der Live Music Fund bietet die Chance, freiwillig und selbstbestimmt Infrastruktur zu sichern, statt eine staatliche Steuer zu riskieren. 

 

Außerdem bietet er die Möglichkeit von bürokratie armen Fördermechanismen, da hier Gelder aus der Branche für die Branche und keine Steuergelder verteilt werden.

 

Wir haben jetzt die Chance, das selbstbestimmt zu gestalten. Jetzt ist der Moment, die ganze Live-Wertschöpfungskette zu stabilisieren, bevor der Nachwuchs fehlt, der morgen Stadien füllen könnte.

Zudem bietet der Live Music Fund als Brancheninitiative einen entscheidenden Vorteil: Er soll dort helfen, wo schnelle Hilfe und Unterstützung entscheidend ist:

  • gefährdete Newcomer:innen-Shows
  • Fehlauslastung und Risikoabfederung
  • kurzfristige Liquiditätsengpässe kleiner Clubs