In der Diskussion um den Live Music Fund Germany wird häufig gefragt, ob ähnliche Modelle auch in anderen Ländern entstehen. Die Antwort lautet: Ja! Und besonders aufmerksam schaut die internationale Livemusikbranche derzeit nach Großbritannien.
Dort hat sich das britische Parlament in einem aktuellen Bericht intensiv mit der Zukunft des Livemusikmarktes beschäftigt.
Die zentrale Erkenntnis: Die Infrastruktur der Livemusik steht unter erheblichem Druck und benötigt langfristige Unterstützung, insbesondere kleine Spielstätten, Nachwuchskünstler:innen und unabhängige Veranstalter:innen
Ein freiwilliger Branchenbeitrag statt staatlicher Eingriffe
Bereits 2024 hatte das britische Culture, Media and Sport Committee vorgeschlagen, auf Arena- und Stadiontickets einen freiwilligen Beitrag von 1 Pfund zu erheben. Die Mittel sollen in die Basis der Livemusik reinvestiert werden, also genau in jene Strukturen, aus denen die Künstler*innen und Tourneen von morgen hervorgehen.
Die britische Regierung unterstützt diesen Ansatz ausdrücklich und setzt zunächst auf eine freiwillige Branchenlösung. Gleichzeitig macht sie deutlich: Sollte die Branche keine ausreichenden Fortschritte erzielen, könnten auch gesetzliche Maßnahmen geprüft werden.
Warum wird der Beitrag diskutiert?
Der Hintergrund ist einfach: Große Tourneen, Arenen und Stadien verzeichnen hohe Besucherzahlen und wirtschaftliche Erfolge. Gleichzeitig kämpfen viele kleinere Clubs und Veranstaltende weiterhin mit steigenden Kosten, sinkenden Margen und den Folgen der vergangenen Krisen.
Der britische Parlamentsbericht beschreibt die Grassroots-Ebene ausdrücklich als unverzichtbaren Bestandteil des gesamten Musik-Ökosystems. Ohne kleine Spielstätten gäbe es keine Orte für erste Konzerte, keine Entwicklung neuer Künstler:innen und langfristig auch keine Headliner für die großen Bühnen.
Die Branche soll Verantwortung übernehmen
Bemerkenswert ist, dass die Diskussion in Großbritannien längst nicht mehr nur kulturpolitisch geführt wird. Der Bericht argumentiert vielmehr, dass die Stabilität der Basis auch eine wirtschaftliche Voraussetzung für die Zukunft des gesamten Marktes ist.
Deshalb appelliert das Parlament ausdrücklich an große Marktteilnehmende, den freiwilligen Ticketbeitrag aktiv zu unterstützen. Der Ausschuss nennt dabei insbesondere große Veranstaltende und Ticketingunternehmen und fordert eine breitere Beteiligung am Modell.
Was bedeutet das für Deutschland?
Auch in Deutschland beobachten wir dieselben Entwicklungen:
- wirtschaftlich erfolgreiche Großveranstaltungen,
- steigenden Druck auf Clubs und Nachwuchsstrukturen,
- und die Frage, wie die Branche ihre eigene Zukunft absichern kann.
Der Live Music Fund Germany verfolgt dabei einen ähnlichen Grundgedanken wie die britische Initiative: Nicht staatliche Umverteilung, sondern eine freiwillige Reinvestition eines kleinen Teils des wirtschaftlichen Erfolgs zurück in die Infrastruktur der Livemusik.
Der entscheidende Unterschied: Während in Großbritannien ausschließlich Arena- und Stadiontickets betrachtet werden, soll der Live Music Fund perspektivisch eine breitere und dauerhaft tragfähige Branchenlösung ermöglichen.
Die entscheidende Frage
Die Entwicklung in Großbritannien zeigt vor allem eines: Die Debatte hat sich verändert. Es geht nicht mehr darum, ob die Livemusikbranche ihre Infrastruktur stärken sollte. Darüber besteht weitgehend Einigkeit.
Die eigentliche Frage lautet inzwischen: Schafft die Branche freiwillige und eigenverantwortliche Lösungen oder wird die Politik irgendwann regulierend eingreifen?
Der Live Music Fund versteht sich als Angebot, diese Zukunft selbst zu gestalten: transparent, gemeinnützig und von der Branche für die Branche getragen.
Weiterführende Informationen und den vollständigen Bericht des britischen House of Commons gibt es hier: Competition and market functioning in the UK live music industry
