15. September 2025

Startschuss für den Live Music Fund Germany

Am 19. September 2025 wurde auf dem Reeperbahn Festival die Gründung des Live Music Fund Germany durch die Bundesstiftung LiveKultur offiziell bekanntgegeben. Der Fonds startet am 1. Januar 2026 und will die Basis der Livemusikkultur solidarisch absichern.


Warum braucht es den Fonds?

Während Superstars Stadien füllen und Ticketpreise Rekorde brechen, geraten kleine und mittlere Spielstätten unter Druck: steigende Kosten, weniger Planungssicherheit, rückläufiges Publikum.

Der Fonds reagiert genau auf diese Schieflage und will eine faire Umverteilung ermöglichen.


Stimmen vom Panel „Imagine Togetherness“

„Bilder ausverkaufter Stadien täuschen darüber hinweg, wie stark die Grassroot Venues unter Druck stehen. Der britische Music Venue Trust ist das Vorbild – dort haben schon Stars wie Coldplay, Katy Perry & Sam Fender verstanden, dass die Basis gesichert werden muss.“
Benjamin Fischer (FAZ)

„Unsere Umsatzrendite liegt unter 1 %. Junge Bands und Nischenprogramme können wir ohne Unterstützung kaum noch stemmen. Politik darf man nie aus der Verantwortung lassen – und die Großen müssen in die Pflicht genommen werden, notfalls auch ohne Freiwilligkeit.“
Pamela Schobess (Club Gretchen / LiveMusikKommission)

„In den Clubs schlägt das Herz der Livekultur – sie sind Möglichkeitsräume und Wunschmaschinen. Ohne sie stirbt die Vielfalt. Ich glaube nicht, dass die Großkonzerne freiwillig etwas abgeben. Die Regeln muss die Politik setzen – fangen wir mit den Ticketingunternehmen an.“
Berthold Seliger

„Die Idee des Fonds liegt seit Jahren auf dem Tisch. Aus der Branche heraus anzufangen ist ein wichtiger Schritt, jetzt müssen auch die Großen mitziehen. Wir dürfen nicht um das Instrument streiten, sondern um das Problem. Wer heute von Superstars profitiert, muss helfen, die Basis zu sichern.“
Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien (Hamburg)

„Es geht darum, Mittel von den Großen an die Kleinen umzuleiten, damit das Ökosystem aus Musiker:innen, Clubs und Labels lebendig bleibt.“
Christopher Annen (Pro Musik)

„Den Nachwuchsmusiker:innen eine Bühne zu geben, ist das große Potenzial des Fonds. Ich habe ein Problem mit reiner Freiwilligkeit – warum sollten große Player freiwillig abgeben? Es braucht klare Regeln und im Zweifel ein Gesetz.“
Martin Rabanus (SPD)

„Die Freiheit der Kunst wird zur Illusion, wenn sie im Alltag an der Finanzierung scheitert. Mein Glaube daran, dass der Markt das allein regelt, ist gering. Wir müssen präventiv tätig werden – es ist besser, früh zu handeln, als später nur zu reagieren.“
David Schliesing (Die Linke)

„Das Motto des Reeperbahn Festivals lautet ‚Imagine Togetherness‘ – der Live Music Fund ist genau dafür ein Paradebeispiel. Nur wenn wir kollektiv denken und handeln, können wir die Livemusikkultur langfristig sichern.“
Detlef Schwarte (Reeperbahn Festival)

„Die Idee ist ja: Die Stars von heute finanzieren die Stars von morgen. Der Vorteil gegenüber einer staatlichen Zwangsabgabe ist: Wir können als Branche selbst austarieren, wohin die Gelder fließen – realitätsnah, solidarisch und nicht politisch getrieben.“
Felix Grädler (Bundesstiftung LiveKultur)

„Es ist schade, dass wieder die Käufer:innen zahlen müssen, während große Ticketingunternehmen außen vor bleiben. Wir brauchen einen Dialog auf Augenhöhe mit den Großen, damit sie ihr Geschäftsmodell so ändern, dass es für alle besser wird.“
Isabel Roudsarabi (Höme)


So funktioniert der Fonds

Der Live Music Fund Germany wird ab 2026 über Ticketplattformen, Spielstätten und Veranstalter:innen als solidarische Abgabe und über eine freiwillige Spendenfunktion umgesetzt.

Die Mittel fließen in drei Fördersäulen:

  • Nachwuchs- und Clubförderung – Unterstützung kleiner Spielstätten, Ersttourneen und Festivals
  • Auslastungsversicherung (bis 2.000 Besucher:innen) – Zuschüsse für defizitäre Veranstaltungen
  • Strukturelle Maßnahmen – Förderung von Nachhaltigkeit, Inklusion, Diversität und Ausbildung

Bereits über 30 Gründungspartner:innen aus Clubs, Festivals, Verbänden und Ticketing unterstützen den Fonds.


Imagine Togetherness – unser Auftrag

Das Reeperbahn-Motto „Imagine Togetherness“ wird mit dem Live Music Fund konkret: Solidarisch Mittel von den Großen zu den Kleinen lenken – für Vielfalt, Nachwuchs und Zukunftsfähigkeit der Livemusikkultur.